Forderungen des Frauenzentrums Erlangen zu den Vorfällen der Silvesternacht

Die Forderung der Frauenbewegung aus den siebziger Jahren – Schluss mit sexueller Belästigung und Nötigung im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Schule und auf der Uni, im öffentlichen und privaten Raum, ist seit Silvester aktueller denn je.

Bereits im Herbst 2015 beteiligte sich das Frauenzentrum Erlangen an einer Postkartenaktion des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe Frauen gegen Gewalt e. V.. Gemeinsam mit 60.000 weiteren UnterzeichnerInnen wurde eine Modernisierung des deutschen Sexualstrafrechts gefordert, damit in Zukunft ALLE nicht einverständlichen sexuellen Handlungen unter Strafe gestellt werden.

Das Plenum vom 12. Januar 2016 des Erlanger Frauenzentrums bezieht Stellung gegen alle sexuellen Übergriffe, die die Würde von Frauen und Mädchen verletzen und unterstützt die Aktion #ausnahmlos.

Wir fordern von allen Männern, unabhängig von ihrer Kultur und Religion, ihrem Alter und ihrer Staatsangehörigkeit, Respekt – ob am Kölner Dom oder auf der Erlanger Bergkirchweih.

Die Frauenbewegung kämpft seit langem für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen und Mädchen. Jede von ihnen hat das Recht, sich alleine an jedem Ort zu jeder Tageszeit frei und ohne Angst zu bewegen. Diese erkämpften Freiheiten und Räume lassen wir uns nicht wieder nehmen!

Jede dritte Frau hat in Deutschland bereits sexualisierte Gewalt erfahren. Noch erschütternder ist, dass 5 – 15 % aller stattfindenden Vergewaltigungen angezeigt werden, wovon es wiederum nur in 8 % der Fälle zu einer Verurteilung der Täter kommt.

Die Vorfälle in Köln und anderen europäischen Städten haben das Thema Gewalt gegen Frauen auf extreme Weise wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Belästigungen, Drohungen und Gewalterfahrungen sind keine neuen Phänomene im Alltag von Frauen, aber doch alarmieren die jüngsten Ereignisse durch die öffentliche und ungehinderte Art der Übergriffe.

Wir fordern eine kritische Diskussion der Vorfälle. Es ist auf das Schärfste zu verurteilen, Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund unter Generalverdacht zu stellen. Über kulturelle Hintergründe und damit verbundene Stereotype, Ängste und wahrgenommene Unterschiede muss gesprochen werden, aber nicht auf einer rassistischen Ebene. Im Fokus muss klar stehen, worum es eigentlich geht: Um Gewalt gegen Frauen.

Es darf nicht sein, dass Frauen der Mitschuld und Provokation bezichtigt werden und erneute Definitionsversuche von sexueller Belästigung angestellt werden müssen. Jede Form von Belästigung, Bedrohung und weiteren Gewalterfahrungen von Frauen und Mädchen ist immer ernst und wahrzunehmen und immer zu verurteilen. Die Entstehung einer Atmosphäre muss verhindert werden, in der sich Frauen nicht mehr frei von Angst fühlen können.

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