Vortrag mit Nadja Bennewitz: „Manche Akademikerin wünschte, sie wäre Säuglingspflegerin oder Köchin.” Alltag jüdischer Frauen im Nationalsozialismus – zwischen Repression, Widerstand und Migration
Einen Tag nach der Reichspogromnacht wurde die jüdische Presse reichsweit verboten. Bis dahin erschien zum 1. jeden Monats das Israelitische Nürnberg-Fürther Gemeindeblatt, das wie ein Mikrokosmos Abbild jüdischen Alltags ist: Hier schreiben Journalist:innen, die bislang in der reichsweiten deutschen Presse tätig waren, hier werden hochkarätige Konzerte bedeutender Sängerinnen in der Nürnberger Synagoge angekündigt, Aktivitäten des „Jüdischen Kulturbundes“, der den arbeitslos gewordenen Künstler:innen ein Auskommen bot.
Frauen und Männer haben jeweils unterschiedlich auf die zunehmende Ausgrenzung reagiert, gezwungenermaßen: Die Maßnahmen jüdischer Hausfrauen bewegten sich zwischen Anpassung und Selbsthilfe, aufgrund des Arbeitsplatzverlustes des Mannes sorgten nun viele Frauen durch Hilfsarbeiten für den Unterhalt und die Auswanderung gelang Männern vorerst leichter als Frauen. Die Bandbreite der Reaktionen jüdischer Frauen war breit: verstärkter Einsatz im Gemeindeleben, Besinnung auf jüdische Wurzeln, schriftstellerisches oder künstlerisches Engagement: Das Nürnberg-Fürther Gemeindeblatt öffnet faszinierende Fenster in eine Zeit vor der Vernichtung.
Kosten: 8,- €
Anmeldung: info@frauenzentrum-erlangen.de