„Eine Frau ist ein Mensch.” 50 Jahre Feminismus in Argentinien – und heute?
Mit Blick auf die Geschichte des Feminismus in Argentinien nehmen wir heute, fünfzig Jahre nach dem Militärputsch von 1976, das aktuelle Verhältnis zwischen Demokratie und Frauenrechten unter die Lupe.
Der argentinische Feminismus durchlebt derzeit eine Phase extremer Spannungen. Er ist das Erbe von Kämpfen, die von den gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zu den Müttern und Großmüttern der Plaza de Mayo reichen. Immer war dabei das zentrale Anliegen, der Diktatur Widerstand zu leisten.
In den Jahren 2015-2020 war die feministische Bewegung in der Region von großer öffentlicher Sichtbarkeit geprägt. Doch seit Dezember 2023 sieht sie sich einer explizit antifeministischen Regierung gegenüber, die unter anderem im Bereich von Gendergerechtigkeit Institutionen schließt und Budgets kürzt. Ein Anstieg der Anzahl an Femiziden geht damit einher. Dies alles hat natürlich Auswirkungen auf das Innere der feministischen Bewegung. Welche das sind, werden wir gemeinsam besprechen. Der Vortrag lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie der Feminismus im Laufe der Jahrzehnte dazu beigetragen hat, die Bedeutung von Demokratie zu erweitern, und erinnert uns daran, dass Rechte nicht dauerhaft sind: Sie müssen erkämpft, verteidigt und gemeinsam ausgeübt werden.
María Gabriela Fulugonio ist Professorin für Philosophie am Departement für Humanwissenschaften der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Buenos Aires